Ein Bussi für den schnellsten Krauler – Bericht Münchner Merkur im August 2014

Ammerland – 171 Schwimmer durchquerten den Starnberger See.  Zum ersten Mal in der Geschichte der Wettkampfes kamen alle gesund auf der anderen Uferseite an.

Optimale Bedingungen herrschten bei der Seeüberquerung der Ammerlander Wasserwacht am Samstagvormittag. Der Starnberger See zeigte sich von seiner besten Seite: 22 Grad warm und spiegelglatt. Das schwere Gewitter vom Nachmittag war zu diesem Zeitpunkt noch weit weg.

Zum ersten Mal in der Geschichte des Wettkampfs kamen heuer alle 171 Schwimmer, 62 Frauen und 109 Männer, im Ziel an. Der Langsamste brauchte drei Stunden für die 4,2 Kilometer lange Strecke von Tutzing nach Ammerland.

Bei weiß-blauem Himmel und Sonnenschein starteten die Teilnehmer, in Neoprenanzügen oder nur in der Badehose, dafür dick mit Melkfett eingerieben, auf der Westseite. Eskortiert wurden sie von 14 Wasserwachts-Booten. Laut dem Vorsitzenden der Ammerlander Wasserwacht, Tobias Lämmle, waren rund 100 Ehrenamtliche für die Sicherheit und das Wohl der Hobbyschwimmer im Einsatz. Älteste Teilnehmerin war die 74-jährige Elfriede Fischer aus Münsing, jüngste die 16-jährige Lena Schneider. Den weitesten Anreiseweg hatte ein Hamburger. Nach nur gut 50 Minuten näherte sich bereits die erste rote Badekappe dem Ammerlander Wasserwachtsteg unterhalb des Kapellenwegs.

Die Zuschauer am Ufer drängten zum See, um sehen zu können, wer da mit deutlichem Vorsprung das Rennen gemacht hatte. Es war Marc Repkow, der nach 59:20 Minuten ohne Neoprenanzug vergnügt aus dem Wasser kletterte. Nur knapp hat der gebürtige Berliner, der in München lebt, den bisherigen Rekord von 57 Minuten verpasst. Zur Begrüßung (und Belohnung) gab’s einen Kuss von Ehefrau Sandra. Für ein kurzes Interview mit unserer Zeitung ist der durchtrainierte Athlet sofort zu haben. Repkow schwimmt für den SV Ottobrunn. Auf seine erste Seeüberquerung hat er sich gut vorbereitet: Dreimal die Woche ist der 27-Jährige jeweils vier Kilometer im Becken gekrault. Von der Starnberger-See-Überquerung schwärmt er: „Eine herrliche One-way-Strecke, das Wasser war heute angenehm warm und ruhig.“

Knapp vier Minuten später (1:03 Stunden) trifft die beste Frau ein. Judith Männich aus München hat vor zwei Jahren, als ein Gewitter kurz bevorstand und es entsprechend wellig war, schon einmal mitgemacht. „Diesmal war es im Vergleich dazu super“, sagt die 33-Jährige. Erschöpft wirkte auch sie nicht. Männich hat die Seeüberquerung wie viele andere Sportler als Training für einen Triathlon absolviert. Im September geht es zum Ironman Malaysia. Bei dem gesellen sich zur 3,8 Kilometer langen Schwimmstrecke noch 180 Kilometer Radfahren und 42 Kilometer Laufen dazu.

Nur zum Spaß haben dagegen Thomas Papenfort und Lars Ellinghaus an dem Ammerlander Wettbewerb teilgenommen. Mit ihrer Zeit um 1:40 Stunden sind die beiden durchaus zufrieden. „Unsere Töchter trainieren beim Geretsrieder Wassersportverein 72. Durch sie sind wir aufs Schwimmen gekommen“, berichtet Ellinghaus. Tobias Lämmle freute sich am Ende, dass alle Frauen und Männer gesund am anderen Ufer des Sees angekommen waren. „Es gab keine größeren Zwischenfälle“, stellt er fest.

Alle 171 Teilnehmer der Seequerung 2014 erhielten eine Medaille, gesponsert von einer Versicherung.

Von Tanja Lühr

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